Allgemeines über die Liebesbeziehung:
Hierbei beziehen wir uns auf
Erich Fromm und seinen Klassiker "Die Kunst des Liebens".
Erich Fromm (1980): Die Kunst
des Liebens. Frankfurt/M, Berlin, Wien: Ullstein)
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Die meisten Menschen sehen
ihr Problem mit der Liebe darin, wie sie es erreichen, selbst geliebt
zu werden, anstatt zu lieben und lieben zu können. |
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Die meisten Menschen gehen
bei dem Problem der Liebe davon aus, es gehe um ein Objekt und nicht
um eine Fähigkeit. Wobei sie die Schwierigkeit darin sehen, den
richtigen Partner zu finden, den man selbst lieben kann und von dem
man geliebt wird. |
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Die Hauptvoraussetzung für
die Fähigkeit, lieben zu können, ist, dass man seinen Narzissmus überwindet.
Der narzisstisch Orientierte erlebt nur das real, was in seinem
eigenen Inneren existiert, während die Erscheinungen der Außenwelt für
ihn an sich keine Realität besitzen, sondern nur daraufhin erfahren
werden, ob sie für ihn selbst von Nutzen oder gefährlich sind.
Das
Gegenteil von Narzissmus ist Objektivität; damit ist die Fähigkeit
gemeint, Menschen und Dinge so zu sehen, wie sie sind, also objektiv,
und in der Lage zu sein, dieses objektive Bild von einem Bild zu
trennen, das durch die eigenen Wünsche und Ängste zustande kommt. |
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Die Fähigkeit zu lieben
impliziert somit die Fähigkeit zu wachsen und eine produktive
Orientierung in unserer Beziehung zur Welt und zu uns selbst zu
entwickeln. |
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Worauf es in
Liebesbeziehungen ankommt, ist der Glaube an die eigene Liebe, der
Glaube an die Fähigkeit der eigenen Liebe, bei Anderen Liebe
hervorzurufen, und der Glaube an ihre Verlässlichkeit. |
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Die reife Liebe ist eine
Vereinigung, bei der die eigene Integrität und Individualität
bewahrt bleiben. Sie stellt ein Paradoxon dar, in welchem zwei
Individuen eins werden und trotzdem zwei eigenständige Individuen
bleiben. |
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Die Veränderung des
Beziehungskonzeptes innerhalb der letzten 100 Jahre:
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Noch vor hundert Jahren
wurden Beziehungen (Ehen) auf Grund von wirtschaftlichen oder
gesellschaftlichen Überlegungen geschlossen, die Liebe stellte sich
dann schon ein. Der Aufbau einer Familie, die Erziehung der Kinder und
das Altsein war allein nur sehr Wenigen möglich. Die Beziehung (Ehe)
war somit stark funktionalisiert, nicht nur als gesellschaftliches
Instrument, sondern als Lebenskonzept für den Einzelnen. Mit
zunehmendem Wohlstand und der Emanzipation der Frauen auf dem
Arbeitsmarkt verloren diese objektiven Funktionen der Beziehung (Ehe)
an Bedeutung. Mann/Frau konnten über Dienstleister eine Familie auch
alleine ernähren und das Alter sichern. Anstelle der objektiven
Funktionen trat eine zunehmende Romantisierung der Beziehung. In der
Moderne soll diese nicht das Überleben sichern, sondern ist zuständig
für den gesamten Bereich der Gefühle, der Partner soll einen glücklich
machen. Der fordernde Charakter dieser Einstellung entspricht der
materialistischen Grundeinstellung der Gesellschaft. Sie zeigt, dass
es mehr um das Bekommen geht, als um das Geben. Aber Liebe ist ihrem
grundsätzlichen Charakter nach etwas Gebendes, sie vertraut auf die
eigene Kraft durch sich selbst, Liebe beim Gegenüber zu erwecken, sie
ist zuverlässig und demütig und nicht an Wohlgefallen und
materiellen Reichtum gebunden. Sie sollte eine grundsätzliche
Lebenseinstellung darstellen, somit nicht nur für den einen,
vermeintlich richtigen Lebenspartner aufgespart sein, sondern das
gesamte Lebensgefühl ausmachen. |
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In der Moderne wird die
Beziehung marketingmäßig betrieben und nach
Effektivitätsmaßstäben der Befriedigung eigener
Bedürfnisse gestaltet. Ein fragiles System, wobei die Auflösung der Beziehung
fast ein tägliches
Einerlei darstellt, sobald
Probleme auftreten, welche die Partner nicht zu lösen wissen, oder
aber die eigene psychosoziale Gratifikation als nicht ausreichend
erlebt wird,
obwohl sich die Partner durchaus noch schätzen. |
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Die Überwindung
althergebrachter Beziehungskonzepte vollzog sich in der zweiten Hälfte
des letzten Jahrhunderts rasant. Allerdings nahm die Fähigkeit, mit
unterschiedlichsten Konzepten umzugehen, sich selbst als autonomes,
handelndes und verantwortliches Wesen innerhalb von Beziehung zu
sehen, nicht im gleichen Maße zu.
Viele Schwierigkeiten liegen
am allgemeinen – gesellschaftlich anerkannten – Narzissmus, am
fehlenden Gefühl für die Bedürfnisse des Gegenübers als
unabdingbare Basis für die eigenen Bedürfnisse, sowie an der
eigentlichen Bedeutungslosigkeit von Liebesbeziehungen für das eigene
Selbstkonzept. |
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Beziehung und Glück
sind definierbar und berechenbar:
Thesen, die wir aufgrund von Erfahrungen mit
und durch unsere Klientel entwickelt haben und welche wir für falsch
halten.
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Auch in der Einstellung zur
Liebe zeigt sich der für unsere Zeit charakteristische Zug des
Marketings.
Der Herr sucht eine attraktive Frau und die Frau einen
attraktiven Mann, wobei die Attraktivität durch Attribute und
Eigenschaften definiert wird, die gerade auf dem Personenmarkt - häufig
beeinflusst durch die Medien und im Besonderen die Werbung - gefragt
sind. Somit Attribute, die den wirtschaftlichen Aspekten der
Gesellschaft gerecht werden, z.B. jung, schön, erfolgreich und unabhängig. |
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Der zu Liebende wird zum definierbaren Objekt der Begierde, mit
genau messbaren Attributen und Eigenschaften. |
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Eine Liebesbeziehung sollte
meine eigenen Bedürfnisse befriedigen und mich psychosozial und
emotional gratifizieren.
Dazu muss ich nur das Kunststück
bewerkstelligen, den passenden Partner zu finden. Partner, die dieses
nicht erfüllen, sind unpassend und werden ausgetauscht. |
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Ob ein Partner passend ist, lässt
sich an objektiven, messbaren Faktoren einschätzen.
Diese Faktoren
gliedern sich in körperliche Maße, materielle, intellektuelle und
gesellschaftliche Bereiche. Es bleibt ein psychologischer
Unsicherheitsfaktor, der jedoch in dem Maße abnimmt, in dem die übrigen
Faktoren im positiven Sinne zunehmen, heißt, den Anforderungen
entsprechen.
Somit ist eine Beziehung berechenbar und es liegt nicht
an mir und meinen Handlungen, inwieweit ich glücklich bin oder nicht.
Für mein Glück sind Andere verantwortlich. |
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Zielgerichtetes Verhalten -
bezogen auf die Partnersuche - ist nach den gewünschten Kriterien sein Gegenüber zu beurteilen und dann schnellstmöglichst eine
Entscheidung zu treffen.
(Ein derartiges Verhalten wird zwar der
modernen heiligen Kuh "Geschwindigkeit und Effizienz"
gerecht, spiegelt jedoch nicht ein wirkliches Interesse am Gegenüber
wider. Es dient nur dem schnellstmöglichen Erlangen der eigenen
narzisstischen Gratifikation. Hier sollte eigentlich gelten: “was du
nicht willst, was man dir tut, das füge auch keinen Anderen zu”.
Gegenargument: "ich erkenne schon auf den ersten Blick oder nach
wenigen Minuten, wer zu mir passt oder nicht".) |
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